Fachübersetzung zu Dumpingpreisen?

Warum dabei die Qualität oft zu kurz kommt

Wachsender Preisdruck aus Asien, neue technische Möglichkeiten – seit einiger Zeit macht sich auf dem Markt für Fachübersetzungen ein gestiegener Wettbewerb bemerkbar. Viele Kunden erwarten zunehmend hochwertige Texte für kleines Geld. Doch die Rechnung geht nicht auf: Wer sich auf das Preisdumping einlässt, erhält nicht nur minderwertige Fachübersetzungen, sondern riskiert zudem rechtliche Konsequenzen. Immerhin ist eine adäquate Übersetzung für die Technische Dokumentation seit Novellierung der EU-Maschinenrichtlinie Pflicht.

Dass die Technische Dokumentation ein wesentlicher Bestandteil des produzierenden Gewerbes ist, liegt auf der Hand. Maschinen und Anlagen bzw. deren Baupläne und Bedienung müssen in umfassenden Unterlagen beschrieben werden – und das sowohl für Monteure und Servicetechniker als auch für den Endanwender. Nun gewinnen gerade mit zunehmender Globalisierung die ausländischen Märkte für deutsche Unternehmen an Bedeutung. In diesem Kontext rückt die Fachübersetzung noch stärker in den Fokus, denn: Die Technische Dokumentation muss in allen Sprachen der Länder vorliegen, in denen das fertige Produkt vertrieben wird – dies ist sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Natürlich ist den Verantwortlichen im Unternehmen daran gelegen, möglichst kosteneffiziente Workflows zu nutzen. Insbesondere Fachübersetzungen werden deswegen viel zu oft mit zweifelhaften Mitteln erstellt. So versprechen Übersetzungsbüros aus Fernost Preise, die schlichtweg nicht mit den europäischen Standards für ein hochwertiges Endprodukt vereinbar sind. Hinzu kommen sprachliche und kulturelle Missverständnisse zwischen Auftraggeber und Dienstleister, die die Rahmenbedingungen für eine qualifizierte Fachübersetzung schon grundsätzlich erschweren. Noch gravierender ist allerdings, dass im asiatischen Raum Übersetzer oftmals nicht als eigene Berufsgattung gelten und dadurch die Zahl unqualifizierter Dienstleister sehr hoch ausfällt.

Fachübersetzung auf Knopfdruck?

Andere Anwender gehen sogar noch einen Schritt weiter und übertragen ihre Technische Dokumentation per Copy and Paste in Online-Übersetzungs-Tools. Das Versprechen der Anbieter: Die Algorithmen hinter den Tools seien bereits soweit ausgereift, dass sie eine fachkundige Humanübersetzung obsolet machen. Doch sind den Maschinen Grenzen gesetzt, unter denen die Fachübersetzung insbesondere für die anspruchsvolle Technische Dokumentation spürbar leidet.

So sind solche digitalen Lösungen beispielsweise noch lange nicht in allen Fachbereichen einsetzbar. Viele Branchen haben im Laufe der Zeit eigene Fachtermini entwickelt oder benutzen scheinbar klar definierte Begriffe in anderen Kontexten als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Während die menschliche Fachübersetzung nun von der Expertise des Übersetzers profitiert, der meist auch über Wissen aus der jeweiligen Branche verfügt, leiden die automatisiert erstellten Texte unter deutlichen Makeln. Die Folge: Es müssen zahlreiche Korrekturen vorgenommen werden, die wiederum Zeit und damit Geld kosten – und gerade letzteres sollte doch eigentlich bei der vermeintlich günstigen Fachübersetzung mittels Online-Übersetzungs-Tools eingespart werden.

Fachübersetzung – so wird die Qualität sichergestellt

Sieht man sich nach diesen kurzen Ausführungen die Rahmenbedingungen für eine nach europäischen Standards abgewickelte Fachübersetzung durch einen professionellen Übersetzer an, werden die Unterschiede schnell deutlich. Sie beginnen bereits bei der beruflichen Ausbildung. Hierbei sind ein Studium sowie eine staatliche Prüfung oder IHK-Prüfung obligatorisch. Zudem spezialisieren sich Übersetzer für die gelungene Fachübersetzung auf bestimmte Branchen. Dadurch häufen sie eine wesentliche Ressource an: Erfahrung. Gleiches gilt für die gesammelten Erfahrungen eines Fachübersetzers für ein bestimmtes Unternehmen. Aus diesem Grund ist das sogenannte Stammübersetzerprinzip ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer Übersetzungsagentur.

Übersetzer können darauf aufbauend gerade für komplexe Texte wie eine Technische Dokumentation Aufgaben übernehmen und Herausforderungen meistern, an denen KI-gestützte Übersetzungsprogramme scheitern. Für die gelungene Fachübersetzung interpretiert, ahnt, vermutet und assoziiert der menschliche Übersetzer. Dies kann er, da er eine Kundenbindung aufbaut und individuelle Erfahrungswerte hinsichtlich seines Auftragsgebers sammelt. Durch diese enge Bindung zwischen Auftraggeber und Dienstleister ist gewährleistet, dass potenzielle Reibungsverluste minimiert und die Technische Dokumentation hochwertig übersetzt wird.

Technik für die Fachübersetzung nutzbar machen

Gleichwohl hat die Digitalisierung nicht nur Dumpingpreise hervorgebracht, sondern stellt der professionellen Fachübersetzung auch einen hocheffizienten Werkzeugkoffer zur Verfügung. Hierzu bedienen sich gut ausgebildete Übersetzer sogenannter CAT-Tools (Computer Assisted Translation). Diese bestehen aus einem Translation Memory System (TMS) und einer Termbank (TB).

Mit dem TMS generiert der Anwender für seine Fachübersetzung ein modularisiertes Übersetzungssystem. Sind bestimmte Formulierungen einmal passend übersetzt und kommen in Folge immer wieder vor – wie es gerade für die Technische Dokumentation die Regel ist – werden diese Übersetzungen gespeichert und sind für die Zukunft schneller nutzbar. Um den Anspruch, dass die Fachübersetzung auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden abgestimmt ist, gerecht zu werden, existiert für jeden Auftraggeber und jede Zielsprache ein eigenes TMS.

Die TB garantiert einen einheitlichen Wortgebrauch. Dazu werden Standardübersetzungen für bestimmte Ausdrücke festgelegt und abgespeichert. Zudem werden zusätzliche Informationen wie Wortart, Genus, Numerus, fachliches Themengebiet und Quelle angegeben. Ein Beispiel: Ein Übersetzer arbeitet an der Fachübersetzung für eine sehr umfangreiche Technische Dokumentation und ist sich bei einem branchenspezifischen Ausdruck nicht mehr sicher, welche Übersetzung er gewählt hat. In diesem Fall dann kann er in der TB über eine Suchfunktion die entsprechende Übersetzung finden.

Mit Triangulation zur optimalen Fachübersetzung

In den Sozialwissenschaften wird unter Triangulation die Nutzung unterschiedlicher Methoden hinsichtlich einer Forschungsfrage verstanden, um damit die Vorteile der unterschiedlichen Verfahren zu bündeln. Analog dazu bieten sich auch verschiedene Methoden auf dem Weg zur optimalen Fachübersetzung an. So entstehen die größten Potenziale erst dann, wenn gut ausgebildete, professionelle Übersetzer auf die technischen Möglichkeiten wie TMS und TB zurückgreifen.

Ob die automatisierten Übersetzungsprozesse jedoch irgendwann soweit sein werden, dass sie den Menschen obsolet machen, ist noch nicht absehbar. Anhänger von KI werden dies sicherlich bejahen. Doch ganz gleich was die Zukunft auch bringen mag, derzeit tun Unternehmen gut daran, für die Fachübersetzung im Bereich Technische Dokumentation auf ausgebildete Fachkräfte und renommierte Dienstleister zu vertrauen.

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