Von Syrien nach Sassenberg: Flüchtling Ayman Aljaseem wird Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung

Junger Syrer absolviert Ausbildung zum Fachinformatiker | Gesetzliche Vorgaben müssen beachtet werden | Praktika erleichtern Flüchtlingen Eintritt in Ausbildung und Beruf

Mit großem Willen hat er sich seinen Traum erfüllt: Seit August absolviert der syrische Flüchtling Ayman Aljaseem eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei der gds GmbH, einer Tochtergesellschaft der technotrans AG. Bevor es dazu kommen konnte, mussten Aljaseem und gds einige Hürden überwinden. Sie betrafen sowohl kulturelle und sprachliche Barrieren als auch gesetzliche Voraussetzungen für die Ausbildung.

Der 23-jährige Syrer kam im September 2014 nach Deutschland und beantragte Asyl. Inzwischen hat er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. In Syrien leben noch seine Eltern, die Geschwister sind bereits vor ihm nach Deutschland geflohen. Aljaseem wollte sich hier dennoch eine neue Heimat aufbauen und nahm deswegen direkt an entsprechenden Angeboten wie Integrations- und Sprachkursen teil. Darunter befand sich auch ein IT-Seminar. Die Leiter erkannten sein Potenzial und ermutigten ihn, sich für eine Ausbildung zum Fachinformatiker zu bewerben. Mit dieser Entscheidung ist der junge Syrer heute sehr glücklich. „Mir gefällt die Ausbildung sehr und ich freue mich, diese Chance erhalten zu haben“, sagt er.

Doch zunächst musste Aljaseem seine Eignung unter Beweis stellen. „Wir waren wegen der Sprachbarriere skeptisch“, erklärt Tina Wegmeth, Personalreferentin bei der technotrans AG. Darum bot man dem Bewerber zunächst beim Tochterunternehmen gds ein dreimonatiges Praktikum an. Der junge Syrer überzeugte mit seiner schnellen Auffassungsgabe und freundlichen Art. Zudem erweiterter er seine sprachlichen Fähigkeiten enorm. „In der kurzen Zeit hat er seine Deutschkenntnisse immens verbessert und eine große Einsatzbereitschaft gezeigt“, urteilt Wegmeth. Dem Unternehmen wurde schnell deutlich, dass Aljaseem bei der gds viele Wege offen stehen. Damit fiel die Entscheidung und er begann zum 1.8.2016 als einer von insgesamt 14 neuen Auszubildenden der technotrans AG beziehungsweise der gds-Gruppe seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung.

Mindestens drei Jahre wird Aljaseem bis zum Abschluss benötigen. Sollten sich wegen der immer noch gegebenen Sprachbarriere Schwierigkeiten ergeben, kann er das erste Jahr wiederholen. „Wir haben das schon mit der Industrie- und Handelskammer Köln abgesprochen“, sagt Wegmeth. Außerdem sei es möglich, bei der Agentur für Arbeit ausbildungsbegleitende Hilfe zu beantragen. Dabei handelt es sich um eine gezielte Nachhilfe in den jeweiligen Problemfächern. Das Konzept richtet sich allerdings nicht nur an Flüchtlinge, sondern steht Betrieben generell auf Antrag für ihre Auszubildenden offen.

Anträge, Formblätter und Formulare sind es, die Unternehmen Kopfschmerzen bereiten, wenn sie Flüchtlinge einstellen oder ihnen eine Ausbildung anbieten möchten. Voraussetzung dafür ist eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. „Sie lag bei Aljaseem vor, da er direkt bei seiner Ankunft Asyl beantragt hat und es genehmigt wurde“, erklärt Wegmeth. Dadurch sei der gds einiges an bürokratischem Aufwand erspart geblieben. Der junge Syrer habe außerdem sein Schulzeugnis schon vorab von der Bezirksregierung Köln anerkennen lassen. Er musste beide Dokumente nur noch als beglaubigte Kopien den Bewerbungsunterlagen beifügen.

Bei befristeten Aufenthaltserlaubnissen ist die Situation komplizierter. Bevor ein Betrieb betreffende Personen einstellen oder ihnen ein Praktikum anbieten darf, muss die Personalabteilung verschiedene Anträge ausfüllen. „Darüber informiert man sich am besten direkt bei der Ausländerbehörde“, empfiehlt Wegmeth, die noch weitere Tipps für Unternehmen bereithält.

„Im Rahmen eines Praktikums können sich beide Seiten ohne großen Druck kennenlernen“, erklärt sie. Auch wenn Aljaseem von Beginn an viel Engagement gezeigt hat, während seiner Zeit als Praktikant fielen die sprachlichen und kulturellen Barrieren auf, die man nur mit etwas Zeit überwinden kann. „Er hat zum Beispiel gesagt, er habe Dinge verstanden, obwohl er nicht wusste, was gemeint war“, berichtet Wegmeth. Auch sei Humor für ihn in der neuen Sprache nicht direkt verständlich gewesen und habe erst einmal für Verwirrung gesorgt. „Man muss einfach umdenken und bewusster mit der Situation umgehen“, sagt die Personalreferentin. Das taten Aljaseems Kollegen. „Ich bin dankbar, dass sie mit mir wegen der Sprache am Anfang viel Geduld hatten und mir geholfen haben“, sagt Aljaseem. Außerdem rät auch er dazu, dass Flüchtlinge zunächst ein Praktikum absolvieren, damit sie ohne Leistungsdruck einen Einblick in die Tätigkeit erhalten.

Dass sich aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede gerade bei einer anspruchsvollen Ausbildung Abläufe nur langsam einspielen, überrascht wenig. Dennoch hat Aljaseem mit seinem großen Engagement und seiner raschen Auffassungsgabe den Grundstein für einen Berufseinstieg mit Zukunft gelegt. Es ergibt sich aber auch für beide Seiten eine Chance, wie gds-Geschäftsführer Ulrich Pelster erklärt: „Wir freuen uns darüber, einem jungen Menschen nach seiner Flucht aus dem Kriegsgebiet eine Perspektive bieten zu können. Gleichzeitig sehen wir hier die Möglichkeit, eine gut ausgebildete Fachkraft für unser Unternehmen zu gewinnen.“

Von Syrien nach Sassenberg: Flüchtling Ayman Aljaseem wird Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei gds

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