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15.10.2009Wie verständlich ist ein Text? - verschiedene Verständlichkeitsmodelle

Kann man analysieren, wie verständlich oder unverständlich ein Text ist? Ist es nur das persönliche Empfinden oder ist es möglich anhand von "harten" Fakten, quasi wissenschaftlich, zu einem objektiven Ergebnis zu kommen?Zwei unterschiedliche Ansätze werden in den Lesbarkeitsstatistiken und der Schätzmethode angewandt.

Lesbarkeitsstatistik

Bei der Statistik werden die Sätze, Wörter, Silben, Satzlängen und Wortlängen eines Textes gezählt. Eine bekannte Formel z. B. ist der Reading Ease (RE) nach Robert Flesch bzw. für den deutschen Sprachraum von Toni Amstad:

RE = 180 – sl – 58,5 wl
sl = durchschnittliche Anzahl der Wörter pro Satz
wl = Anzahl der Silben pro Wort für mindestens 100 Wörter

Der Wert RE gibt die Lesbarkeit des Textes an: 0 = völlig unverständlich, 100 = außerordentlich verständlich. Gut lesbare Texte zeichnen sich durch kürzere Wörter und kürzere Sätze aus.

Diese Methode sagt natürlich überhaupt nichts über den Inhalt aus, sie orientiert sich nur am Satz. Es ist durchaus möglich, dass ein Text mit einem hohen RE-Wert trotzdem recht unverständlich ist, denn weder Wortwahl, Satzbau noch logischer Inhalt können hierbei berücksichtigt werden.

Sie kann allerdings in Textverarbeitungsprogrammen integriert werden und bietet einen ersten Anhaltspunkt.

Schätzmethode

Bei der Schätzmethode (das Hamburger Modell) wird nicht ausgezählt, sondern das Beurteilen von Eindrücken steht im Vordergrund.

Ein Text wird nach folgenden vier Kriterien beurteilt:

Einfachheit
Mühsam zu entschlüsselnde Bandwurmsätze oder gut strukturierte flüssig zu lesende Sätze – schwer verständliche oder bekannte Wörter?

Gliederung – Ordnung
Ist der Text logisch aufgebaut, ist ein roter Faden zu erkennen? Unterstützen Überschriften, Absätze etc. eine klare Gliederung, so dass der Leser sich gut zurechtfindet?

Kürze – Prägnanz
Wie knapp oder ausschweifend ist der Text? Fehlen Informationen oder wird Überflüssiges erwähnt?

Anregende Zusätze
Regt der Text zum Weiterlesen an oder fallen einem vor Monotonie die Augen zu?

Bewertet wird mit folgender Skala: ++   +   0   –   – –

Ein gut verständlicher Text ist einfach geschrieben, klar gegliedert, kurz, aber nicht zu knapp und hat ein paar anregende Zusätze. Seine Bewertung würde dann so aussehen:

Einfachheit: ++, Gliederung ++, Kürze +/0, anregende Zusätze +/0

Diese Kriterien helfen einen Text zu beurteilen und lassen erkennen, wo evtl. noch Verbesserungen wünschenswert wären. Erstaunlicherweise kommen unterschiedliche Lesern mit dieser Methode zu einer ähnlichen Textbewertung. Daher ist sie als Argumentationshilfe bei Kollegen oder beim Kunden recht hilfreich.

Weiterführende Informationen:
Andreas Baumert, Professionell texten, dtv
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Verständlichkeitskonzept (mit weiteren Literaturhinweisen)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lesbarkeitsindex